Mittwoch, 15.07.2026 , 18 Uhr
Themenführung Löwen, Liebstöckel und Lügensteine
Kurzbeschreibung
Zur Themenführung “Löwen, Liebstöckel und Lügensteine – Objektivität und Mythos der historischen Naturbeschreibung“ lädt die Historische Bibliothek Rastatt am Mittwoch, 15. Juli, um 18 Uhr, ein. Den einführenden Vortrag hält Dr. Uli Steiger, Leiter des Hauses. Die Veranstaltung im Bibliothekssaal der Historischen Bibliothek im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium dauert zirka eine Stunde. Der Eintritt ist frei, keine Anmeldung nötig.
Beschreibung
Bibel prägt die Lehrmeinung
In seiner Themenführung nimmt Dr. Steiger seine Zuhörer mit in jene dem heutigen Menschen völlig fremd erscheinende Welt der vormodernen Naturbetrachtung. Verschiedene Beispiele dieser kaum mehr nachvollziehbaren Naturbeschreibung(en) und Entwicklungstheorien in der aktuellen Ausstellung zeigen, dass eine von der biblischen Schöpfungsgeschichte geprägte Naturgeschichte für die Zeitgenossen gültige Lehrmeinung war. Erst das 19. Jahrhundert brachte schließlich die Durchsetzung von objektiv-wissenschaftlichen Theorien zur Erd- und Naturgeschichte.
Wissenschaftsskandal & Gelehrtenstreit
1725 beispielsweise erschütterte ein Wissenschaftsskandal die Fachwelt: Pseudofossilien werden verbuddelt, ein hoch angesehener Würzburger Forscher fällt darauf herein und scheint ruiniert zu sein… Ein moderner Betrachter hätte sofort erkannt, dass dies keine Fossilien sein konnten. Der Forscher, wie seine Zeitgenossen noch weitgehend in Unkenntnis über die Entstehung von Fossilien, glaubte indes, etwas von der Natur Geschaffenes vor sich zu haben, und bezeichnete die Funde nach dem damals gebräuchlichen Begriff als „lapides figurati“ („gestaltete Steine“). Damit steht man schon mitten in einem großen Gelehrtenstreit, in dem die Entstehung und das Alter der Erde kontrovers diskutiert wurde: Viele waren im 18. Jahrhundert nach wie vor davon überzeugt, dass Erde und Menschheit erst 6.000 Jahre alt sind – eine Zahl, die sie aus der Bibel ableiteten. Forschung galt dann als anerkannt, wenn sie die Schöpfungsgeschichte bestätigte. Wer sie durch neue Entdeckungen infrage stellte, die nicht in dieses Weltbild passten und damit als „unnatürlich“ angesehen wurden, stieß auf Ablehnung – oft sogar auf Zensur oder den Widerstand der Kirche.
Mit der Wirklichkeit nicht ganz genau genommen
Die Erfindung der Natur“ – so der Titel der laufenden Sonderausstellung der Historischen Bibliothek – beschreibt passend, dass oftmals an Mythos und Legende emsig gestrickt wurde, um eine „passende“ und anerkannte Darstellung der Natur synthetisch zu schaffen und die Wirklichkeit weitestgehend auszublenden. Die aktuelle Sonderausstellung, die der Entwicklung naturwissenschaftlicher Darstellungen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert gewidmet ist, kann regulär bis 4. Oktober 2026 besucht werden, immer sonntags von 11 bis 17 Uhr.

